Weinhardt & Kollegen

 

Die menschliche Leistungskurve 

Weil der Mensch keine Maschine mit annähernd konstantem Wirkungsgrad sondern ein Naturgeschöpf ist, zeigt er, seinem Wesen entsprechend, ganz bestimmte, tageszeitabhängige Gewohnheiten. Das Spektrum reicht vom Frühaufsteher bis zum Langschläfer und vom Tagmenschen bis zum Nachtschwärmer.

Keiner dieser Typen kann für seinen Arbeitseinsatz und Arbeitserfolg als mehr oder weniger gut geeignet gesehen werden, sie arbeiten nur unterschiedlich und dem muss zum Erreichen eines optimalen Ergebnisses Rechnung getragen werden.

Jeder Mensch unterliegt im Laufe des Tages ganz bestimmten Leistungsschwankungen. Diese folgen einem natürlichen, relativ beständigen Rhythmus und lassen sich deshalb ziemlich genau vorhersagen.

Der Verband für Arbeitsstudien und Betriebsorganisation REFA hat diese über den Tag verteilten Leistungsschwankungen statistisch erfasst und in einer Kurve festgehalten. Um einen mit 100 % angenommenen mittleren Wert schwanken die Arbeitsleistungen z.T. erheblich. Die Schwankungen lassen sich durch ganz natürliche Abläufe wie Ess- und Schlafgewohnheiten, Lichtverhältnisse usw. erklären. Der Verlauf dieser Kurve ist für alle Menschen nahezu identisch, lediglich die Höhe der Schwankungen ist individuell unterschiedlich. Für Frühaufsteher und Langschläfer ist die Kurve auf der Zeitachse verschoben:







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REFA-Normkurve: Leistungsbereitschaft des Menschen in % als Abweichung vom Mittelwert

 

 

Aus der Kurve ist deutlich zu entnehmen:

  • Leistungshöhepunkt ist am Vormittag
  • Leistungstiefpunkt ist am frühen Nachmittag
  • Leistungsmittelmaß ist am Spätnachmittag und frühen Abend
  • Absoluter Tiefpunkt ist in den frühen Morgenstunden

Zum Erreichen eins Arbeitsoptimums ist es daher notwendig, folgende Einteilung vorzunehmen:

  • Wichtige Arbeiten auf den Leistungshöhepunkt am Vormittag
  • Durchschnittlich wichtige Aufgaben am Spätnachmittag
  • Weniger wichtige bis unwichtige Arbeiten auf den Leistungstiefpunkt am frühen Nachmittag

In der Praxis ist diese Einteilung nicht immer realisierbar, sie sollte aber so weit wie möglich berücksichtigt werden.

Um sich selbst mit seinen Arbeiten über Tag richtig einzuordnen, sollte man versuchen, den zeitlichen Verlauf der eigenen Leistungskurve herauszufinden. Durch Eigenbeobachtung lassen sich Ermüdungserscheinungen und Zeitpunkte mit Energie und Schwung relativ gut erkennen und mit der REFA-Normkurve abgleichen.  

Das Wissen um den Verlauf der eigenen Leistungskurve hat nicht nur einen theoretischen Sinn. Jeder weiß, dass es wenig erfolgreich ist, gegen seinen eigenen Tagesrhythmus zu arbeiten, aber den vertrauten Gesetzmäßigkeiten der eigenen Kurve folgend kann man seine Tagesplanung besser gestalten.

Pausen haben oft den bitteren Beigeschmack von verschwendeter Zeit, aber es ist wissenschaftlich belegt, dass kurze Pausen in bestimmten Abständen zu besseren Ergebnissen führen, weil sie wie ein „Auftanken von Energien“ wirken. Selbst ein kurzes Mittagsschläfchen wird von verschiedenen Wissenschaftlern als durchaus leistungsfördernd gesehen.

Auch hier zeigt sich im praktischen Tagesablauf, dass es nicht möglich ist, konsequent im Stundenrhythmus für wenige Minuten die Arbeit ruhen zu lassen. Wohl aber lässt sich eine Zeit für Pausen einplanen, die bei gegebener Gelegenheit dann auch genutzt werden sollte.

Das Pausenbedürfnis mit der dazugehörigen Regenerationsphase ist individuell unterschiedlich. Hier ist es vorteilhaft, einmal „in sich selbst hineinzusehen“, um den eigenen Rhythmus zu erkennen und seine Arbeit dementsprechend abzugleichen.

Abgesehen von den über den Tag verteilten Leistungsschwankungen und den geplanten Regenerationspausen muss auch auf eine Begrenzung der Arbeitszeit geachtet werden, weil der menschliche Organismus nicht auf konstante Dauerleistung eingerichtet ist. Es ist belegt, dass ab einer bestimmten, individuell unterschiedlichen Arbeitszeit die Leistung deutlich abnimmt. In Notsituationen ist es zwar möglich, auch eine 36-Stunden-Schicht unbeschadet durchzustehen, die Folgeerscheinungen lassen sich aber nicht verheimlichen.

So wie jeder Sportler sich vor seiner körperlichen Hochleistung aufwärmt, sollte auch bei geistigen Arbeiten eine Aufwärmphase vorgesehen werden. Es reicht ein nur wenige Minuten langes Einlesen in das zu behandelnde Thema oder eine kurze, gedankliche Vorbereitung, um dann vollkonzentriert arbeiten zu können.

Die menschliche Leistungskurve ist sicherlich kein Organisationsplan im betriebswirtschaftlichen Sinne, ein sinnvolles Anpassen der Arbeitskraft führt aber ohne Zweifel zu höheren Leistungen.

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